„Die Israelis“ von Donna Rosenthal

Sven Hüber hat uns vor der Reise das Buch „Die Israelis“ von Donna Rosenthal empfohlen. Es ist wirklich ein gutes Buch zur Vorbereitung
einer derartigen Reise.
Endlich hab ich es gelesen. Hier meine
Rezension:

Nicht größer als das Bundesland Hessen, mehr als 100 Nationen aus
aller Welt werden dort beherbergt. Es gibt Christen aller
Konfessionen, Araber christlicher und muslimischer
Religionszugehörigkeit, Drusen, Beduinen und Fellachen und
natürlich Juden, säkulare, orthodoxe, ultraorthodoxe, welche, die
Militärdienst ableisten müssen und welche die davon befreit sind.
Juden, die im heutigen Gebiet von Israel geboren wurden (Sabra) und
Juden, die aus umliegenden Ländern (Mizrahim) einwanderten oder als
sogenannte Ashkenasim insbesondere aus Osteuropa stammen.

Donna Rosenthal schreibt über das „Israeli werden“, über das Wohnen
in den unsichersten Wohnvierteln der Welt, über die Partnersuche, den
Militärdienst in einer „Armee des Volkes“ und immer wieder über die
Wirtschaft.

„Eine Nation, viele Stämme“ erklärt die Herkunft und Denkweise der
Ashkenasim, deren Holocausterfahrungen über Generationen wirken ,
der Mizrahim, der nach Zusammenbruch der Sowjetunion in Massen
eingewanderten „Russen“ und der aus Äthiopien stammenden Juden, die
sich über Jahrhunderte den Glauben bewahrten und der restlichen Welt
förmlich unbekannt waren.

Das Kapitel „Grabenbrüche zwischen Juden und Juden“ erklärt die
Widersprüche zwischen orthodoxen und nicht orthodoxen Juden. Welche
Rolle spielen die strenggläubigen Haredim im Land, welche vom
Wehrdienst befreit sind, weil deren Oberrabbinat dies politisch
durchsetzen konnte in einem „säkularen“ Staat? Warum drängt sich
der Vergleich von Jezhiwaschülern (Jungen und Männern, die ihr
(fast) ganzes Leben die Thora und den Talmud studieren) und den
Koranschülern der Taliban auf? Dieser Vergleich ist sicher nicht
umfassend und viel zu vereinfacht.

Es gibt weltoffene Städte (Tel Aviv, Haifa) und Städte, in denen
die strengreligiöse jüdische Lebensweise vorherrscht. In El-AL
Flugzeugen gibt es Sektionen, in denen Haredim-Männer (die
Gottesfürchtigen), mit Gebetsriemen versehen (Tefillin mit kleinen
Schachteln die Thorasprüche beinhalten) betender Weise durch das
Flugzeug wandeln. An der Westmauer des Tempels in Jerusalem
(Klagemauer) beten Frauen und Männer getrennt, selbst wenn gerade
die Bar Mitzwa (für Jungen) oder die Bat Mitzwa (für Mädchen)
gefeiert wird. Schwer zu verstehen für Europäer, die gelegentlich
„nur“ über gegebenenfalls unterschiedliche Arbeitslöhne von Frauen
und Männern oder über die nichterlaubte Priesterordination von
Frauen in der katholischen Kirche diskutieren.

Der vierte Teil des Buches behandelt die „Nichtjuden in einem
jüdischem Staat“. Israelische Araber oder arabische Israelis, die
voll anerkannte Staatsbürger sein wollen, in Polizei und Militär
dienen aber, je nach Anschauung, die Unabhängigkeitserklärung des
Staates als Katastrophe ansehen und den Fernseher ausschalten, wenn
die Nationalhymne erklingt, die HATIKWAH, die „HOFFNUNG auf Zion“.
Erzählt wird auch über die Drusen, Menschen die eine eher geheime
Religion haben und von den besonders viele in den Streitkräften
dienen, die besonders todensmutig sein sollen, weil sie an die
Reinkarnation glauben.

Donna Rosenthal gibt hier den Überblick über Muslime, Beduinen,
Drusen und Christen in Israel. Sie schreibt, dass es nur ein
Überblick ist, ihnen allen wäre ein „eigenes“ Buch zu würdigen.

SHALOM / SALAAM / FRIEDEN: Der Epilog zeigt noch einmal auf, dass es
Bestrebungen gibt, vom Staat, in Dörfern und Gemeinden, in
Privatinitiativen, gemeinsam an sozialen Projekten zu arbeiten um das
durch Übergriffe gegenüber arabischen Bürgern und die
regelmäßigen Terrorangriffe gegen Juden und den Staat äußerst
verletzliche Zusammenleben in diesem Nationenschmelztiegels auf
normaler Basis wieder zu entwickeln. Ganz besonders für die Zukunft,
die Kinder, deren Berührungsängste zueinander erst durch Eltern,
Schule, Anschauungen und Religion entstehen.

Ein interessantes, umfassend informierendes Buch über die Menschen
in einem Land in dem Krieg und Frieden, Religion und Atheismus,
Geschichte und Moderne, HighTec und Armut, höchste Bildung und
Analphabetentum so dicht beieinander liegen wie in keinem anderen
Land der Welt.

Uwe Rennicke – Bundespolizeidirektion Pirna
(Teilnehmer der Reise im September 2009)