„Shalom und Marhaba!“

Frank Benkwitz war schon mehrfach in Israel, sogar schon mit einer Fahrradtour.

Aber die GdP-Bildungsreisen eröffneten ihm jedoch völlig neue Seiten dieses wunderbaren Landes.  

Die Gruppe mit Polizeioberrat Pini vom Südabschnit der Israelischen Grenzpolizei am Zaun zwischen Jerusalem und Bethlehem

Die Gruppe mit Polizeioberrat Pini vom Südabschnit der Israelischen Grenzpolizei am Zaun zwischen Jerusalem und Bethlehem

Seine Begeisterung und Faszination ließen ihn nach einer ersten Reise im Oktober 2007 im September 2008 gleich ein weiteres Mal mit der GdP nach Israel reisen.

Neu Einblicke, Treffen mit interessanten Persönlichkeiten, ein Programm, dass man sonst nicht geboten bekommt – all dies sind Gründe, mit der GdP nach Israel zu fahren.

Jede Reise ist anders, vermittelt neue Blickwinkel und natürlich viel Wissen.

 

 Hier für alle sein Reisebericht – zum Erinnern für die einen, zum Einstimmen für die anderen:

„Shalom und Marhaba!“ 

Ein Reisebericht von Frank Benkwitz

 Freitag, 12.09.2008 

Unsere Anreise: Berlin – Tel Aviv – Nazareth

 Unsere Israel – Bildungsreise wurde durch den Stellvertretenden Vorsitzenden der Gewerkschaft der Polizei in der Bundespolizei, Sven Hüber, organisiert und von unserem Katholischen Polizeioberpfarrer Pater Michael Overmann mit beleitet.

Die Nachfrage war sehr groß, so dass die diesjährige Gruppe 40 Personen zählte. Gegen 09:30 Uhr war Treffpunkt am Flughafen Berlin – Schönefeld. Jeder einzelne bekam nun einen kleinen Vorgeschmack, dass eine Israel-Flugreise höhere Sicherheitsauflagen hat als ein normaler Urlaubsflug. So wurde jeder einzelne befragt, ob man die Taschen selbst gepackt hat, ob man Waffen oder Sprengstoff mit sich führt, wohin die Reise führt u.s.w.

Irgendwann saßen wir dann alle im Airbus der Fluggesellschaft „ISRAIR“. Wer lange Beine hatte, war nicht zu beneiden. Wegen schlechten Wetters verspätete sich der Abflug um etwa 45 Minuten. Nach ca. 4 Stunden Flug landeten wir in Tel Aviv. Für viele war es die erste Reise nach Israel. Man hat ja soviel über das kleine Land in der Presse und den Medien gehört. Nicht immer waren es gute Nachrichten. Angehörige und Bekannte zu Hause sagten zum Abschied voller Sorge, man solle schön aufpassen. Also, alles in allem hatte man viele Gedanken, die im Kopf herumgeisterten.

Die Einreise verlief zügig und jeder bekam seinen aufgegebenen Koffer zurück. Eine nervöse oder gar hektische Stimmung war auf dem Flughafen nicht zu spüren. Wir wurden von  Yalon Graeber, unserem deutschsprachigen Reiseführer, und unserem Busfahrer Deaib Ghadir erwartet. Für alle die bereits im vergangenen Jahr die Reise mitgemacht haben, waren es  vertraute Gesichter.

Auf der Fahrt zu unserer ersten Unterkunft nach Nazareth stellte sich Yalon und unserer Busfahrer Ghadir vor. Yalon war bis in den 80-er Jahren Angehöriger des Bundesgrenzschutzes. Die Liebe führte ihn für immer in dieses wunderschöne Land. Er diente in der Israelischen Armee (IDF), arbeitet als Freiwilliger im Polizeidienst mit  und machte u.a. eine Ausbildung als Reiseführer. Deaib Ghadir stammt aus einer arabischen Beduinenfamilie und ist wohl der netteste Busfahrer, den man sich vorstellen kann.

Auf dem Weg nach Nazareth bekamen wir von Yalon schon so viele nützliche Informationen, das manch einem der Kopf qualmte. Wir erfuhren, dass von Freitagabend bis Samstagabend bei den rund  75 % Juden im Land Shabbat (jüdischer Feier- und staatlicher Ruhetag) ist. Jüdische Geschäfte, Restaurants, Museen und Einrichtungen haben geschlossen und der Nahverkehr ruht. Somit blieben wir vom alltäglichen Stau im Ballungsraum Tel Aviv verschont.

Im Hotel „Golden Crown“ angekommen, gab es ein reichliches Abendbrot für uns. Da es ein arabisch geführtes Hotel war, bleibt es vom Sabbat verschont. Übrigens leben in Nazareth überwiegend christliche Araber und dort steht auch die Verkündungskirche.

Nach dem wir im 5-Sterne Hotel unsere Zimmer bezogen haben, trafen wir uns später am Pool zum Briefing. Sven, der Leiter unserer GdP-Gruppe,  stellte uns den morgigen Tagesablauf und das Wochenprogramm vor. Wer jetzt noch daran glaubte, wir machen hier eine Woche Relax-Urlaub, hatte sich gewaltig geirrt. Die kommende Woche war vollgepackt mit vielen interessanten Programmpunkten. Man könnte fast glauben, wir bleiben 3 Wochen hier.

Unser Pater Michael stellte sich vor und er würde uns auf dieser Reise die Biblischen Orte und die berufsethischen Zusammenhänge näher erläutern. Da in unserer Gruppe mehrheitlich Personen waren, die keine religiöse Erziehung bzw. Bildung hatten, war seine Aufgabe wohl nicht die leichteste.

Nach dem Briefing gab es noch Zeit für einen Schlummertrunk an der Bar.

 

 Samstag, 13.09.2008

Berufsethik an Biblischen Orten am See Genezareth

Nachdem sich alle bei einem zünftigen Frühstück gestärkt hatten, fuhren wir mit dem Bus in den Norden des Sees Genezareth. Dieser See ist 170 km² groß, liegt 210 m unter dem Meeresspiegel und ist der tiefst gelegenste Süßwassersee der Welt. Für Israel ist es der größte Süßwassersee und wichtigstes Trinkwasserreservoir. Neben den vielen Freizeitmöglichkeiten, die der See bietet, ist er ein wichtiges Reiseziel für religionsgeschichtlich Interessierte. Zu der letzteren Gruppe zählen wir. Die erste Station war der Berg der Seligpreisungen ( Mount of the Beatitudes). Pater Michael gab uns kleine Handzettel mit Nummern aus. Leider war es nicht möglich den Weg Jesus von der Verkündung bis zur Wiederauferstehung exakt abzufahren. Somit startete Pater Michael am Berg der Seligpreisungen mit der Geschichte über einen jungen Mann, den man Jesus von Nazareth nannte und der an diesem Ort die Bergpredigt gehalten haben soll. Hier verkündete Jesus die Seligpreisungen. Nach der Besichtigung der Kuppelkapelle, fuhren wir ins benachbarte Tabgha. Der  „Ort der sieben Quellen“ bezeichnet die Stelle an der die wundersame Brotvermehrung durch Jesus stattgefunden hat.

Garten am Berg der Seligpreisung

Garten am Berg der Seligpreisung

Auch hier erläuterte uns der Pater mit verständlichen Worte, welche Bedeutung dieser Ort für die vielen Pilger hat. Vor dem Mittag besichtigten wir noch Kapernaum. Hier lebte Jesus vorübergehend während seiner Zeit als Wanderprediger. Er berief hier seine ersten Jünger, u.a. Petrus und vollbrachte dort mehrere Wunder. Kein Wunder also, dass dieser Ort von vielen Pilgern weltweit besucht und verehrt wird.

Die Hitze und die vielen Informationen machten allmählich müde. Es war also Zeit für eine Mittagspause. Einige probierten in einem gut besuchten Restaurant, den Pilgern sei Dank, den wohl einmaligen „Petrusfisch“. Andere ließen sich ein Eis am See schmecken. Nach dem Mittag besuchten wir die Primatskirche, wo der  auferstandene Jesus seinen Jüngern erschien und Petrus die Führung der Kirche übertrug. Von der Primatskirche fuhren wir östlich um den ganzen See. Links konnte man die Golanhöhen erkennen. Yalon erzählte uns, dass von dort die Syrer teilweise Zielschießen auf Fahrzeuge und Siedlungen machten. Nach der Besetzung der Golanhöhen durch Israel kehrte in diesem Teil Ruhe ein. Am Südufer, nahe dem Ausfluss des Jordans aus dem See Genezareth, wurde die Taufstelle Yardenit angelegt.

Obwohl es nicht die Stelle ist, an der Jesus Christus getauft wurde, lassen sich hier viele Pilger in dem „heiligem Wasser“ des Jordan taufen. Leider gab es in unserer Gruppe niemanden, der sich taufen lassen wollte, wir hätten gerne unseren Pater bei der Taufzeremonie im Jordan gefilmt.

Der leckere Petrusfisch

Der leckere Petrusfisch

Von dort ging es zurück ins Hotel nach Nazareth. Nach einer kleinen Verschnaufpause kam die Überraschung des Abends. Auf sehr schöne Weise konnten wir uns dem Thema der ethnischen Minderheiten in Israel widmen: unser Fahrer Deaib Ghadir hat uns alle zusammen zu seiner großen Beduinenfamilie nach Bir el Maksur (dort ist der Stamm vor mehr als 60 Jahren sesshaft geworden) zum „Fastenbrechen“ eingeladen. Es war Rammadan und die muslimischen Israelis halten die Fastenzeit bis zum Sonnenuntergang ein. Niemand wusste so richtig, was auf uns zukam. Wir wussten nur soviel, dass sich die  ganze Familie schon seit Tagen auf unseren Besuch freute und dementsprechende Vorbereitungen stattfanden. Als wir gegen 19:30 Uhr dort eintrafen, empfing uns die Großfamilie herzlich. Wenn man von Großfamilie spricht, dann ist es eine Größenordnung, die man hierzulande nicht mehr kennt. Also vom Ältesten bis zum kleinen Baby waren alle da. Die Frauen haben noch die letzten Fladenbrote frisch gebacken.

 

Zu Gast bei Familie Ghadir

Zu Gast bei Familie Ghadir

Die Ältesten luden uns in traditioneller, beduinischer Gastfreundlichkeit zum Kaffee und Tee ein.

Danach wurde das Essen aufgetragen. Die vielen typisch beduinischen Speisen sahen nicht nur lecker aus, nein sie waren dank der feinen  Gewürze noch viel leckerer. Nach guter, alter deutscher Gründlichkeit  wurde der Teller anfangs fein säuberlich geleert. Eh man sich versah, war wieder eine Hühnerkeule drauf. Für Beduinen ist ein leerer Teller ein Zeichen, dass man noch Hunger hat. Also musste man einen kleinen Happen drauf lassen und zum Zeichen, dass man satt ist, den Bauch wohlwollend streicheln.

Traditionelles beduinisches Essen - sensationell!

Traditionelles beduinisches Essen – sensationell!

Obwohl wir wirklich richtig satt waren, kamen wir im Anschluss nicht Drumherum noch von dem süßen Gebäck zu kosten. Nach dem Essen kamen wir mit den Familienmitgliedern ins Gespräch und die Zeit verging rasend schnell. Obwohl man bei Beduinen eher an Wandern durch die Wüste denkt war es interssant zu efahren, dass die sesshaften Beduinen in Galiläa ganz normale Berufe ausüben wie andere Israelis auch: vom Rechtsanwalt bis zum Polizisten, vom Händler bis zum Computerfachmann. Auch dienen nicht wenige israelische Beduinen in der Israelischen Armee und der Grenzpolizei.

Bei der herzlichen Verabschiedung wurden noch schnell E-Mail Adressen ausgetauscht und es ging zurück ins Hotel. Wer noch nicht müde war, genoss noch einen Schlummertrunk.

 

Sonntag, 14.09.2008 

Israelische Polizeiakademie, Kibbuzbewegung, Hisbollah und Golan

 Am Morgen checkten wir aus dem Hotel aus und machten uns auf den Weg in den Norden Israels,  zur libanesischen Grenze.

Unterwegs hielten wir  in Shefar’am bei der Israelischen Polizeiakademie. Wir hörten einen Vortrag über Ausbildung und den Aufbau der israelischen Polizei. Anschließend gab es noch eine Führung durch das Museum, wo die Geschichte der israelischen Polizei dargestellt wurde. Besonders im Museum konnte man erfahren, dass die vielen Konflikte und Kriege und vor allem die Terrorbedrohung der Zivilbevölkerung den Alltag der Polizei maßgeblich bestimmten und bestimmen.

In der Israelischen Polizeiakademie

In der Israelischen Polizeiakademie

Nach dem Kurzbesuch und einer Mittagsrast in einem Einkaufszentrum fuhren wir in den Norden Israels, in das Kibbuz Mishgav Am. Ein Kibbuz ist eine selbstverwaltete Siedlung in Gemeinschaftsbesitz seiner Mitglieder.

Dieses Kibbuz liegt direkt am Grenzzaun zum benachbarten Libanon. Der fühere Sicherheitschef des Kibbuz, Josef Abbas, , ehemals aus Holland ausgewandert, empfing uns und führte uns durch sein Kibbuz. Von ihm erfuhren wir, wie Kibbuz gegründet und geführt wurden. Das Leben im Kibbuz wurde nachhaltig durch den benachbarten Libanon bestimmt: Als es noch nicht den Grenzzaun gab, kamen des Öfteren aus dem Libanon Terrorgruppen, die Anschläge in Israel verübten. Im Kibbuz wurde eine bewaffnete „Bürgerwehr“ aufgestellt, um das Leben der Bewohner schützen zu können. Leider gelang es nicht immer, die Bewohner ausreichend zu schützen. Er erzählte uns einen Vorfall, als bewaffnete Terroristen nachts ins Kibbuz eindrangen und die Kinder aus dem Kinderhaus als Geiseln nahmen. Bei der späteren Befreiungsaktion durch Spezialkräfte der israelischen Polizei und Armee wurde durch die Terroristen ein Kind getötet. Seit dieser Zeit gibt es kein Kinderhaus mehr im Kibbuz, wo bis dahin die Kinder in der Woche Tag und Nacht betreut wurden und die Eltern ihrer Arbeit nachgingen. Die Kinder leben seit diesem Vorfall bei den Eltern. Neben den Wohnhäusern, Lagern, und Werkstätten gibt es im Kibbuz noch Bunker und Verteidigungsstellungen. Die Bunker sind so ausgestattet, dass dort die Bewohner bei Raketenangriffen aus dem Libanon mehrere Tage Schutz finden können.

Gespräch mit Josef Abas im Kibbuz Misgav Am

Gespräch mit Josef Abas im Kibbuz Misgav Am

Die Meldungen über Raketeneinschläge im Norden Israels 2006 haben wir in den Nachrichten verfolgen können. Jetzt standen wir nun in einem betroffenen Kibbuz und waren erstaunt, wie gelassen die Bewohner mit der Gefahr umgehen. Jedoch haben wir nicht rausgehört, dass man dort die Libanesen hasst. Gehasst werden nur die radikalen Kräfte, wie die Hisbollah. Bei einem Blick über die Grenze konnten wir neben libanesischen Fahnen und die der UNO auch die Fahne der Hisbollah in Sichtweite erkennen.

Anschließend fuhren wir aus dem nördlichen und gebirgigen Galilee durch die Jordanebene hinauf in die Golanhöhen. Die Golanhöhen waren jahrzehntelang Schauplatz kriegerischer Auseinandersetzungen. Seit 1967 sind diese durch Israel besetzt. Die Golanhöhen haben nicht nur eine wichtige strategische Bedeutung, sondern sie sind auch wichtig für die Trinkwasserversorgung. Für den Tourismus ist es noch ein grauer Fleck auf der Landkarte. Yalon erzählte uns während der Fahrt durch die landschaftlich sehr reizvolle Gegend einiges über die Geschichte des Golan und die wichtige Bedeutung für Israel. Hier leben ca. 15000 Drusen. Eine Religionsgemeinschaft, die sich vom Islam abgespaltet hat. Sie bilden eine homogene, abgeschlossen lebende Gruppe.  Die Drusen, die hier leben, hoffen auf eine baldige Rückgabe des Golan an Syrien. Problematisch ist jedoch, dass diese Drusen nicht von Syrien mit offenen Armen empfangen werden.

Es folgte noch ein Blick nach Syrien und auf einen Standort der UNO-Truppen aus Österreich. Danach fuhren wir in der Abenddämmerung nach Ha’On am See Genezerath. Wir bezogen unsere Unterkünfte, dieses mal eben nicht in einem 5-Sterne Hotel, sondern in einem wunderschönen Kibbuz. Die kleinen, sauberen Häuser standen mitten im Grünen, unter Palmen, direkt am See. Dort war es im Gegensatz zum kühlen und windigen Golan schwül warm. Einige nutzten auch gleich die Gelegenheit zum Bad im See. Nach dem Abendessen trafen wir uns auf einer Terrasse am See und ließen den Tag bei Wein, Bier und tollen Gesprächen ausklingen.

 

Montag, 15.09.2008 

Einführung in das Judentum, Politischer Vortrag mit Gil Yaron, Besuch in der Deutschen Botschaft und Erlebnis Tel Aviv

Heute war zeitiges Aufstehen angesagt, denn wir hatten wieder ein reichhaltiges Programm für den Tag geplant. Wer nun glaubt, man könnte im Bus noch schön ausschlafen, kennt nicht Yalon und seine langen, interessanten Geschichten über das Land. Aber auch Yalon musste feststellen, dass es doch viele Begabte unter uns gab, die ihm mit geschlossenen Augen zuhören können.

Als wir Tel Aviv näher kamen, waren wir längst nicht mehr alleine auf den mehrspurigen Straßen.  Der zähflüssige Verkehr war auch ein Grund für unsere zeitige Abreise aus dem Kibbuz.

Gegen 09:00 Uhr waren wir in der Universität von Tel Aviv im „Beth Hatefutsoth“. Am Eingang mussten wir noch eine Sicherheitskontrolle passieren und wurden danach von Natalie Altman und Henry Jakubowicz empfangen. Bis zum Mittag führten uns die beiden in zwei Gruppen durch das Diaspora-Museum.

Universität Tel Aviv

Universität Tel Aviv

Dort bekamen wir einen Einblick in das Leben , die Religion und die Kultur der Juden seit der Zeit der Zerstreuung. Gemeint ist die Zeit ab 73 n. Chr. , als die Römer den 2. Jüdischen Tempel in Jerusalem zerstörten und die zweitausendjährige Zeit der Diaspora begann.

Nach dem Essen in der Mensa hörten wir einen Vortrag durch Dr. Gil Yaron über die „ Fünf Kreise der Bedrohung Israels“. Eigentlich könnte man denken, dass uns ein Vortrag nach dem Mittag reihenweise die Augenlieder runterzieht. Doch das Thema war so informativ, dass bei Niemanden, auch nur ansatzweise die Augenlieder schwer wurden. Aus den Medien kennt man bereits einige Versionen, wo Israels Feind lauert. Das aber im eigenen Land auch die Siedler und Ultra Orthodoxen eine Gefahr darstellen, obwohl diese sogar u.a. Sozialleistungen erhalten, war einigen nicht bekannt. Im Anschluss verkaufte er sein Buch „Jerusalem“ mit seiner Widmung.

Am Nachmittag waren wir in der Deutschen Botschaft eingeladen, wo uns durch den Leiter der Politischen Abteilung der Botschaft, Herr Fischer, ein Vortrag über die diplomatischen Beziehungen zwischen Deutschland und Israel gehalten wurde. Im Anschluss sprach ein Bundespolizeibeamter über seine Aufgaben beim HOD. Ein beneidenswerter Kollege.

Nach diesem Besuch bezogen wir unser Hotel unweit vom Strand. Da es noch nicht dunkel war und immer noch sommerlich warm, lockte das Mittelmeer die Badehungrigen an. Andere gingen shoppen oder konnten den Sonnenuntergang am Strand bei einem kühlen Getränk genießen.

Nach dem Abendessen lud Yalon zu einer Nachtwanderung in die Altstadt nach Jaffa ein. Andere testeten das hochgepriesene Nachtleben von Tel Aviv. Ob ruhiger Pub mit Strandfeeling oder Disco, hier ist wirklich für jeden Geschmack etwas dabei.

Aber immer, wenn es am schönsten wird, sollte man aufhören und eine Mütze Schlaf nehmen.

 

Dienstag, 15.09.2008 

Besuch der EUPOLCOPPS-Mission und der palästinensischen Polizei in Jericho – Totes Meer – Jerusalem

 

Auch heute gab es kein Erbarmen für die Nachtschwärmer. Früh morgens verließen wir Tel Aviv und fuhren ins Westjordanland. Unsere erste Station hieß Jericho, die wohl älteste und mit  – 260 m u.d.M die tiefstgelegenste Stadt der Welt.  Yalon setzten wir vor dem Checkpoint an einer Raststätte vor der Stadt auf israelischer Seite ab.  Da er in der israelischen Armee gedient hatte, könnte es für ihn einige Unannehmlichkeiten geben. Außerdem ist es israelischen Staatsbürgern mit Wohnort im „Kernland“ gesetzlich verboten, in die Westbank zu fahren. Deaib Ghadir ist Beduine und durfte deshalb weiterhin unser Busfahrer bleiben.

Bis jetzt wussten wir nur rein geografisch, dass wir uns im Westjordanland befanden. Ab und an sahen wir Absperrzäune, gut gesicherte Siedlungen oder einfache Behausungen von Palästinensern. Es sah alles ruhig und normal aus. Das Bild änderte sich aber an einer Zufahrtsstraße nach Jericho. Dort war ein schwerbewaffneter israelischer Militärposten, an dem die ein- und ausreisenden Fahrzeuge und Personen kontrolliert wurden. Im Hintergrund sah man schwere Technik bis hin zum Panzer. Hier konnte man gewiss nicht mehr von Normalität sprechen. Unser Bus wurde durch gewunken und dem einen oder anderem gelang noch ein Schnappschuss von dem MG-Posten auf dem Turm. Das MG war in Richtung Jericho gerichtet. Nach einigen hundert Metern erreichten wir den palästinensischen Kontrollposten. Auch hier wurden wir freundlich weiter gewunken. Am Kontrollposten erwarteten uns die Bundespolizeikollegen Peter Joerdenning – er ist zur Zeit deutscher Polizeiausbilder bei der EU Mission EUPOL Copps – und Heiko Knorren – er betreut ein Senior Leaders Programm in Ramallah. Nach der Vorstellung gab Peter Joerdening uns Informationen  über seine Tätigkeit hier. Unser Bus wurde durch eine Eskorte der palästinensischen Polizei zunächst zum Hisham-Palast durch Jericho geführt. Der Palast bzw. was davon übrig geblieben ist, wurde uns durch einen Vertreter des Palästinensischen Kulturminsteriums  erklärt.

Danach wurden wir in der Palästinensischen Polizeischule empfangen.

Unsere Gastgeber von der Palästinensischen Polizei mit neuen Streifenwagen, ein Geschenk aus Deutschland

Unsere Gastgeber von der Palästinensischen Polizei mit neuen Streifenwagen, ein Geschenk aus Deutschland

Überall standen Polizisten ganz stolz mit ihrer Kalaschnikow und sie versuchten uns ein Gefühl der Sicherheit zu vermitteln. Für uns ist das jedoch etwas gewöhnungsbedürftig und so hatte der eine oder andere anfangs doch eher ein mulmiges Gefühl. Es folgten Vorträge durch General Ziad Hab Al-Rih (PCP – Palästinensische Zivilpolizei), Lucien Vermeir (Belgium deputy EUPOL COPPS) und PD Peter Joerdening (German Police Advisor). Wir bekamen dadurch einen groben Einblick in die Schwierigkeiten der Polizeiarbeit im Westjordanland. Es gibt duzende verschiedene Polizei- und Sicherheitsdienste bei den Palästinensern.  Im Grunde genommen fängt aber die zivile Palästinensische Polizei bei Null an. Der General drückte seine Dankbarkeit über die Arbeit durch die deutsche Polizei vor Ort aus. Es gibt im Grunde genommen keine andere Nation, die die Polizei vor Ort ausbildet. Die meisten Nationen bilden die neuen Palästinensischen Polizisten außerhalb aus. Dies führt auch dazu, dass die Praxisnähe fehlt. Ein weiteres großes Problem ist, dass das Westjordanland bezüglich der Sicherheitsaufteilung wie ein Käse durchlöchert ist. Die Palästinensische Polizei kann nicht eben mal schnell von Jericho nach Ramallah fahren, sondern darf die israelischen Kontrollposten nur in Zivil und unbewaffnet passieren und ist auf das Wohlwollen der Kontrollierenden angewiesen. Zudem sind die palästinensischen Extremisten besser bewaffnet als die Polizisten selbst. Auch wenn es in den deutschen Medien nicht vorkommt: die Kriminalitätsrate in den autonom verwalteten Gebieten der Westbank ist hoch und die plästinensischen Bürger haben kein anderes Sicherheitsbedürfnis zum Schutz ihres Eigentums und ihres Lebens wie deutsche Bürger.

Nach dem Vortrag hatte ich großen Respekt vor der Arbeit unserer deutschen Kollegen in Jericho und der Motivation der Palästinensischen Polizisten.

Hier in Jericho bekamen wir nun einen völlig anderen Eindruck von der Kompliziertheit  der Konflikte zwischen Israel und Palästina.

Nach dem Besuch in Jericho, einer Stadt, gebeutelt durch die Intifada und die Touristen dringend nötig hat, nahmen wir unseren in der Wüste ausgesetzten Yalon wieder auf.

Auf Grund der Zeitverschiebung von 1 Stunde zwischen Israel und dem Westjordanland – die Palästinenser hatten für ihr Gebiet abweichend von der Zeit in Israel kurzerhand das Ende der Sommerzeit festgelegt – waren wir in Zeitverzug. Aber nichts desto trotz stand jetzt das Tote Meer auf unserem Programmpunkt. Für viele war es der erste salzige Kontakt mit dem Toten Meer, Salzgehalt liegt bei  ca. 25 %. Das Tote Meer liegt ca. 400 unter dem Meeresspiegel und zwischen Israel und Jordanien.

Yalon gab uns noch einige praktische Tipps, wie man sich in dem warmen Wasser verhält. Beschreiben kann man es kaum, es ist einzigartig. Sobald man etwa wadentief ins Wasser gelaufen ist, kann man sich schon auf dem Rücken legen und sich paddelnd fortbewegen. Es ist vergleichbar, als wenn man auf einer Luftmatratze liegt. Auf jeden Fall ist es ein riesen Gaudi. Nach dem Bad sollte man sich gründlich abduschen. Die Haut fühlt sich danach samtig weich an.

Im Anschluß fuhren wir bis zum südlichen Zipfel des Toten Meeres. Unterhalb der Festung Massada benutzten wir die Seilbahn, um in die legendäre Festung 60 m ü. d. M. zu gelangen. Was hat sich hier so legendäres abgespielt?

Blick auf Massada

Blick auf Massada

Die Römer haben 70 n. Chr. Jerusalem eingenommen und wollten die restlichen aufständischen Juden (Zeloten) vertreiben bzw. vernichten. Die Römer brauchten 3 Jahre für ihre Belagerung und den Bau der gigantischen Rampe. Als sie endlich die Festung ohne Gegenwehr erobern konnten, fanden sie fast 1000 Tote Zeloten vor. Diese hatten vor der Erstürmung kollektiven Selbstmord begangen, um nicht als Sklaven der Römer zu enden.

Die Festung ist daher für die Juden ein Symbol für die Widerstandskraft des bedrohten jüdischen Volkes geworden.

Die spätsommerliche Sonne tauchte die Festung und die umgebende Judäische Wüste in einen einzigartigen Rotschimmer. Für die Fotografen unter uns (und das sind fast alle gewesen) gab es nun sehr viele romantische Motive.

Wir waren erst gegen 19:30 Uhr in unserem letzten Hotel auf unserer Reise. Nach dem Abendbrot zog es einen Teil von uns in die angrenzenden Straßen, wo es genügend Pubs, Discotheken und Unterhaltung gab. Hier fiel auf, dass in den Pubs Security für die Sicherheit der Gäste sorgte. Die Menschen sind außerordentlich freundlich und hilfsbereit. Vor allem sind sie sehr gesprächig, Berührungsängste mit uns Touristen hat dort keiner. So ist es kein Wunder, dass wir uns dort richtig wohl gefühlt haben.

Andere zog es in das Stadtviertel Mea Searim. Dort leben die ultraorthodoxen Menschen, die so leben wollen, wie zu Zeiten der Diaspora in europäischen Ghettos.   Als Tourist ist man dort nicht sehr beliebt. Dort sollte man sich unbedingt an die dort geltenden Regeln halten. Arme und Beine müssen bedeckt sein, fotografieren sollte man möglichst gar nicht. Das die Menschen dort nicht viel von den Touristen halten, bekamen zwei Teilnehmer aus unserer Reisegruppe auch zu spüren. Obwohl sie keinen Anlass gaben  wurden sie  unmissverständlich aufgefordert das Viertel zu verlassen. Als Zeichen der Verachtung wurde unsere jüngste Teilnehmerin auch noch bespuckt. Der Abend war für beide gelaufen.

 

Mittwoch, 17.09.2008 

Besuch bei der Israelischen Grenzpolizei in Jerusalem und in Yad Vashem

 

Heute konnten wir wieder bis 08:00 Uhr ausschlafen. Nach dem Frühstück fuhren wir in Richtung Bethlehem zur „Mauer“. Am Rand des Jerusalemer Stadtteils Gilo konnten wir erfahren, wie von Extremisten aus dem gegenüberliegenden Bethlehem i Jerusalemer Küchenfenster und Kindergärten geschossen wurde, bis Betonmauern so aufgestellt wurden, die ein Treffen der Wohnungen der Jerusalemer nicht mehr ermöglichten.     Dort bekamen wir auch einen sehr interessanten Vortrag über Einsatzvarianten und Einsatztaktiken der Grenzpolizei zur Abwehr terroristischer Attacken auf die Zivilbevölkerung. Die Abschnitte zwische Jerusalem nd der Bethlehemer Seite der Westbank  sind videoüberwacht und die Trupps können bei Störungen in wenigen Minuten an jeder Stelle in ihrem Abschnitt sein. Nach Aussage des Kommandanten, Polizeidirektor Pini, sind die Anschläge in Jerusalem seit der Errichtung der Mauer stark gen Null zurückgegangen. Der Übergang nach Bethlehem ist wie ein Grenzübergang gesichert und wird von der normalen „Blauen Polizei“ und der Grenzpolizei betrieben. Hier merkt man aber sofort, dass die hiesige Grenzpolizei mit anderen Problemen zu tun hat, als z.b. in Deutschland. Die Kontrolleure sind gegen eventuelle Anschläge mit bis zu 30 kg Sprengstoff in ihren gepanzerten Kontrollräumen bestens gesichert. Die Kontrolle ist praktisch automatisiert. Die Grenzpolizei ist sehr gut ausgebildet und sie haben auch das entsprechende Fingerspitzengefühl beim Umgang mit den arabischen Menschen.

Wir Deutschen sind beim Anblick der Mauer (die um einiges höher ist, als die ehemalige „Berliner Mauer“) geschockt. Aber sich hier hinzustellen und ein Urteil darüber abzugeben, wäre wahrscheinlich äußerst oberflächlich.

Nach dem Besuch bei der Grenzpolizei fuhren wir auf den Berg der Erinnerung. Dort stand nach dem Mittagessen ein Rundgang im Yad Vashem an. Die Gedenkstätte wurde als Erinnerung und Mahnung an den Holocaust errichtet. Normalerweise kann man dort einen ganzen Tag planen und hat immer noch nicht alles gesehen. Wir wurden in einer Stunde durch das Areal geführt und hörten viele grausame Geschichten, aber auch viele Geschichten über Mut und Widerstand. Der wohl emotionalste Moment stellt jedoch der Besuch im Kinderhaus dar. Im Inneren brennen nur 5 Kerzen, die mittels verschiedener Spiegel wie Millionen erscheinen. In drei Sprachen werden im Inneren die Namen, das Alter und die Nationalität der getöteten Kinder angesagt. Nach dem Verlassen des Kinderhauses bedarf es nicht vieler Worte und man ist für einen Moment in sich gekehrt.

Im Anschluss daran erzählte uns Dr. Bernhard Hornung, ein Holocaust-Überlebender, über seine Erinnerungen an das dunkle und schreckliche Kapitel deutscher Geschichte. Seine Familie stammte aus der Stadt Auschwitz, seine Mutter und seine Schestern wurden ermordet, der Vater im KZ Görlitz-Biesnitzer Grund umgebracht und er kam bereits mit 14 Jahren in die Lager und wurde 1945 im KZ Bergen-Belsen befreit.

Nach dem Vortrag fuhren wir ins Hotel.

Wie am Abend zuvor ließen wir den Tag in gemeinsamer Runde ausklingen.

 

Donnerstag, 18.09.2008 

Jerusalemer  Altstadt

 

Auch am heutigen Tag konnten wir etwas länger schlafen. Nach dem Frühstück fuhren wir in die Altstadt. Je näher wir der historischen Altstadt kamen, umso mehr Touristenbusse waren zu sehen. Für den heutigen Tag sollten wir uns nur zu Fuß fortbewegen. Bei der Hitze und den vielen Touristen ist es bestimmt nicht so einfach. Aber als erstes entfernten wir uns von der Altstadtmauer und wir besuchten die Davidstadt. Hier schauten wir uns einen 3-D-Film über König David  an. König David eroberte die Stadt um 1000 v Chr. und  machte sie zum Mittelpunkt des Israelitenreiches. Durch seinen Sohn Salomon wurde der 1. Tempel errichtet.

Nach dem Film stand uns ein dunkler und feuchter Weg bevor. Wir durchwanderten den Siloam – Tunnel. Barfuss und mit Taschenlampe bewaffnet stiegen wir ins angenehm kühle und wadentiefe Wasser. Teilweise gebückt wateten wir die 540 m lange Strecke bis zum Licht. Draußen angekommen, konnten wir uns von der Sonne unsere Sachen trocknen lassen und das ging sehr fix.

Von dort aus liefen wir durch ein südliches Tor in die Altstadt. Jetzt standen wir endlich inmitten dieser allen drei Weltreligionen „Heiligen Stadt“. Hier stand Salomons Tempel, Christen verbinden die Stadt mit der Kreuzigung und der Auferstehung Christi und hier fand der Himmelsritt Mohammeds statt. Diese Stadt erlebte so viele Kriege, Plünderungen, Zerstörungen und Herrscher, dass es doch wieder an ein Wunder grenzt, welche einzigartige Fülle von Kultstätten der drei Weltregionen hier existieren, die jährlich Hunderttausende Pilger anziehen.

Yalon erwies sich mal wieder als umsichtiger Reiseführer, der es verstand, uns 40 Kulturbegeisterte durch die engen, belebten Viertel zu führen, uns zusammenzuhalten und doch immer wieder wichtige Informationen zu geben.

Pater Michael war nun an der Reihe, er erzählte und verdeutlichte uns eindrucksvoll, warum und wie es zur Kreuzigung Jesus gekommen ist. Der Weg von der Verurteilung durch Pontius Pilatus bis zum Grab nennt man Via Dolorosa (Straße der Schmerzen). Auf diesem Weg, der in 14 Stationen gekennzeichnet ist, liefen wir auch in Richtung der Grabeskirche. Sehr gläubige Pilger bahnen sich diesen Weg mitten durch den Basar, vorbei an israelischen Grenzpolizisten und arabischen Souvenirhändlern mit einem großen Holzkreuz. Jedes Jahr zur Karfreitagsprozession bahnen sich auf der Via Dolorosa Tausende Pilger den Weg bis zur Grabeskirche.

Aber heute war es verhältnismäßig ruhig.

Die Grabeskirche ist einer der heiligsten Orte der Christenheit, doch sie ist wirklich kein Schmuckstück. Wer nicht die Geschichte dazu kennt, ist enttäuscht von diesem hässlichen Klotz. Sechs christliche Religionsgemeinschaften teilen sich das Gotteshaus und die waren bzw. sind sich nicht einig wie das Gotteshaus zu führen ist. An eine Restauration im großen Stil ist nicht zu denken. Da es immer wieder zu Gewalttätigkeiten zwischen den einzelnen Religionsrichtungen kam, einigten sich die Seiten 1852 auf einen Status quo. In diesem Kodex ist festgehalten, wer wann und wo beten darf. Seit Jahrhunderten hütet eine palästinensische Bäckerfamilie den Kirchenschlüssel, um Streit unter den Christen zu vermeiden. Nachdem wir uns in der Grabeskirche umgeschaut haben und die vielen Pilger beobachten konnten, die andächtig niederknien und z.b. den Salbungsstein küssen, war der geführte Rundgang in der Altstadt beendet.

Jetzt war noch Zeit in kleinen Gruppen oder alleine durch die Altstadt zu ziehen. Ob Felsendom, Klagemauer, armenisches, jüdisches, arabisches oder christliches Viertel, die Zeit reicht einfach nicht um alles zu sehen. Viele zog es nach anstrengenden Stunden ins österreichische Hospiz, wo man im ruhigen Garten einen Kaffee und Apfelstrudel oder Sachertorte essen kann.

Nach dem Abendessen im Hotel trafen wir uns zu einer Abschlussbesprechung. Sven hat uns noch mal alle Stationen unserer Reise aufgezählt. Uns wurde bewusst, dass uns diese Reise mehr gebracht hatte, als wir es uns im Vorfeld vorstellen konnten. Nach dem positiven Feedback hieß es Taschen packen und fertig machen zum Abschlussabend in „Mikes Place“.

Hier gab es gute Musik und kühle Getränke. Im Anschluss zog es einen Teil ins Hotel, um noch ein paar Stunden Schlaf zu bekommen und andere gingen noch durch die Gassen, wo noch der eine oder andere Stopp in einer Bar oder Disco eingelegt wurde.

 

 Freitag, 19.09.2008 

 Rückflug

 

03:30 Uhr: Trotz der kurzen  Nacht hat niemand verschlafen und niemand ist versumpft. Nach einem Kaffee und Gebäck fuhren wir nach Tel Aviv zum Airport. Dort verabschiedeten wir uns herzlich von Yalon, Deaib Ghadir und Sven (der noch ein paar Tage in Israel blieb, um die nächsten GdP-Reisen vorzubereiten). Nach den Sicherheitskontrollen, die noch intensiver waren als in Deutschland, starteten wir pünktlich kurz nach 07:00 Uhr in Richtung Berlin. Im Flugzeug holten etliche den fehlenden Schlaf nach, sofern es in dem engen Flieger ging.

Nach der Ankunft in Berlin verabschiedeten wir uns von einander. Randvoll mit fantastischen Eindrücken,  traten wir die Heimreise an.

 

Für einige von uns wird es bald wieder heißen „Auf Wiedersehen in Jerusalem!“

 

Vielen Dank an Sven Hüber , Michael Overmann, Yalon Graeber, Deaib Ghadir und Henry Jakubowicz für die tolle Zusammenstellung der Reise und euer Engagement! 


Manchmal dauert es eine Weile, bis man etwas findet. So wie ich, der selbst an dieser Reise teilgenommen hat und den Artikel hierzu erst zufällig entdeckte.
Man kann sich der Begeisterung nur anschließen, die aus diesem Beitrag spricht. Dieses Land übt einen unwiderstehlichen Reiz aus und man kommt schlecht wieder davon los. Woran das liegt, kann ich nicht richtig begründen. Vermutlich an der Widersprüchlichkeit, die es in kaum einer anderen Ecke der Welt so dicht gedrängt gibt. Ich habe die Reise gemeinsam mit meinem Sohn unternommen, der die Begeisterung ebenfalls teilt. Wir hatten übrigens beide in Israel Geburtstag. Irgendwie hatten die Beduinen bei unserem Besuch davon Kenntnis erhalten und tischten nach dem Abendessen in der Nacht für mich noch eine Art Schwarzwälder Torte auf, die ich an die abseits stehenden Frauen verteilte. Kam gut an. Bei den Frauen!
Erschüttert haben mich die Lebensgewohnheiten der Orthodoxen. Ihr Viertel in Jerusalem scheint im Mittelalter versunken zu sein und strahlt eine Endzeitstimmung aus. Noch erstaunlicher war für mich, wie die „normalen“ Israelis über diese Mitmenschen denken. Das will ich hier besser nicht wiedergeben.
Ich werde Israel auf jeden Fall noch einmal besuchen, wenngleich ich die politische Philosophie dieses Landes nicht teile.